Der Meermann "Ekke Nekkepenn"


Ekke Nekkepenn ist der Meergeist der "Friesischen See", wie die Nordsee früher genannt wurde. Er trieb sein Unwesen an der Küste der friesischen Inseln, wird in verschiedenen Sagen aber auch als guter Geist geschildert. Seine Frau hieß Rahn. Wenn Sie böse war saß sie auf dem Meeresgrund um Salz zu mahlen, daher ist die Nordsee so salzig. Viele Schiffe sind dabei in ihren Mahlstrom geraten und mit ihrem Schiff untergegangen. Wenn Ekke Nekkepenn einem Schiffer wohlgesinnt war, sorgte er dafür, dass dieser guten Wind hatte und eine schnelle Reise machen konnte. Lesen Sie was der Sage nach so alles passierte........

Inge von Rantum und der Meermann

 

Einst war der Meermann Ekke Nekkepenn seines alten Meerweibes Ran überdrüssig geworden und wollte ein schönes junges Menschenfräulein freien. Er ging also auf Hörnum an Land und wanderte in Schiffertracht am Sylter Strand entlang. Gegen Abend begegnete ihm beim Küssetal ein Mädchen, Inge von Rantum geheißen.

Der Alte war gleich verliebt in sie und gebärdete sich wie ein Nachtschwärmer. Auf der Stelle begann er um sie zu freien und sagte ihr schmeichelnde Worte. Die Maid wurde verlegen, es bangte ihr vor dem ungebetenen Freier. Der Nix steckte ihr einen goldenen Ring an den Finger, band ihr eine goldene Kette um den Hals und erklärte: "Nun hab ich dich gebunden, nun bist du meine Braut". Die Jungfrau weinte und bat

ihn, er solle sie frei lassen, doch gab sie ihm seinen goldenen Ring und seine Kette nicht zurück. Da sprach der Meermann zu dem Mädchen:

 

"Ich mag dich, muss dich haben.

Magst du mich, sollst mich kriegen.

Willst du nicht, kriegst mich doch.

Mittewoch haben wir Gelag.

Doch kannst sagen, wie ich heiß,

Dann bist du frei und meiner los."

 

Die Jungfrau gelobte, sie wolle am folgenden Abend Bescheid sagen, daraufhin ließ

er sie gehen. Im stillen lachte die Maid bei sich: "Ich werde es schon erfahren, wie

der Freier heißt!" Doch nirgends, wo immer sie auch fragte, kannte man seinen Namen.

Am folgenden Abend ging sie wieder an den Strand und weinte. Bei der Thorsecke

auf Hörnum hörte sie im Berg jemanden singen, es war wohl ihres Freiers Stimme:

 

"Heute werd, ich brauen.

Morgen werd, ich Backen.

Übermorgen will ich Hochzeit machen.

Ich heiße Ekke Nekkepenn;

Inge von Rantum gehört zur Auserwählten -

Und das weiß niemand als ich!"

 

Als die Jungfrau dies hörte, wurde ihr leichter ums Herz; sie eilte sogleich zum Küssetal, um dort ihren Freier zu erwarten. Nach einer Weile kam er auch; gleich rief sie ihm zu: "Du heißt Ekke Nekkepenn, und ich bleibe die Inge von Rantum!" Dann lief die Maid schnell nach

Hause samt ihren goldenen Schmucksachen; der Meernix aber hatte das Nachsehen. Seit diesem Geschehen war der Meermann auf alle Rantumer böse und brachte ihnen Unglück und Schaden, wo er nur konnte. Er ließ seine Frau Salz mahlen; das erzeugte einen solchen Wirbel, dass manches Schiff darin versank. Auch der Lärm des Mahlens übertönte so manchen verzweifelten Hilferuf. Von dem vielen Salzmahlen der Meerfrau, so erzählt die Sage, ist zuletzt auch die ganze, weite See salzig geworden.

Des Meermanns Frau in Kindsnöten

 

Ein Segelschiff wurde einst auf der Reise nach England vom Sturm überfallen und geriet in große Gefahr. Zu allem Überfluss versagte auch noch das Steuerruder, und als die Schiffsleute über Bord sahen, um zu erkunden, wie das käme, gewahrten sie einen Wassermann. Er steckte seinen Kopf dicht am Ruder aus den Wogen und verlangte nach dem Schiffer. Der Kapitän, ein unerschrockener Mann, fragte ihn, wer er sei und was er wolle. »Ich bin der Meermann, mein Weib liegt in Kindesnöten; und da sie keine Hilfe hat, macht sie solchen Lärm in ihrer Wohnung. Deine Frau muss herunterkommen und ihr bei der Geburt helfen. « »Meine Frau schläft und kann nicht kommen«, antwortete der Schiffer. »Sie muss kommen!« rief der Meermann, »sonst macht meine Alte noch ärgeren Sturm und Seegang, und ihr geht mit Mann und Maus unter. «

 

Die Frau des Kapitäns hatte alles gehört: »Ich komme gleich«, rief sie und stieg mit dein Meermann hinab in die Tiefe. Alsbald ward es stille und die See war ruhig. Der Schiffer hatte große Sorge um seine Frau, aber über eine kleine Welle hörte er unten in der See so lieblich das alte Wiegenlied »Heia, heia, hei« singen, und die Wellen gingen so eben und gleichmäßig, als wenn die ganze See wie eine Wiege geschaukelt würde. »Aha«, dachte er, »das Kind ist schon geboren und alles ist gut gegangen.« Es dauerte keine Stunde, da kam seine Frau wieder herauf aus der See und stieg glücklich wieder an Bord. Sie war kaum einmal naß geworden, hatte die ganze Schürze voll von Gold und Silber, und wusste viel zu erzählen. Das Meerweib hatte ein Kleines bekommen, welches man auf Sylt Seekalb zu nennen pflegt, aber die Meerfrau meinte, es sei so schön wie ein Engel.